Dienstag, 27. Oktober 2015
Geblieben: Gestern 05
excaliburn, 21:34h
Man lebt nur einmal in den Tag hinein, alle weiteren Tage sind Abziehbilder von ein und der selben Kopie, von der ich erfolglos das Original suchte. Eigentlich den Tag vor diesem Tag, aber ich weiß nicht mehr, wann es ihn zuletzt gab.
In den alten Notizen wühlen und an fast vergessene Erlebnisse denken, so sieht mein Leben in diesem Tag aus. Dann denke ich an alte Freunde und versuche im Telefonbuch, sie ausfindig zu machen, bis Hunger oder Durst mich abschweifen lassen. Ich kaufe ein paar billige Dinge bei Aldi ein und dann trinke ich ein paar Biere.
Ich greife zum Telefon und dann fällt mir keine Nummer ein. Holger wollte ich nicht mehr anrufen seit er nur noch depressiv ist. Manfred treffe ich manchmal draußen, jedes Mal vollgeschwämmter von Psychopharmaka. Alle sind inzwischen depressiv, wenn sie nicht gestorben sind. In meinen Notizen finde ich Überschriften, aber die Ideen zu deren Romanen sagen mir heute nichts mehr.
Früher habe ich mir voller Sehnsucht und Hoffnung ausgemalt wie es wäre, Rentner zu sein. Nun bin ich, aber habe nichts. Vorher hatte ich auch nichts bis auf meine Ideen. Diese Ideen um zu setzen ist allerdings wohl eher nicht mein Talent. Mir fehlt es heute an Erlebnissen und an Bekannten und Freunden. Ich sitze in der Bude und hadere mit meinem Schicksal. Ich gehe auf und ab als würde ich eine Strafe „absitzen“.
Schuldig im Sinne der Anklage, denn ich warte auf den Tod und mache es mir so angenehm wie möglich. Wenn ich jetzt Selbstmord begehen würde, was würde das ändern? Vielleicht gibt es ja ein „Leben nach dem Tod“ und ich freute mich, dass ich es endlich getan habe... Andererseits könnte es sein, dass ich ein Leben nach dem Leben finde und jeden Gedanken an den Tod vergesse. So gesehen bin ich ein Goldgräber, der nur den Sand wäscht und nicht darauf achtet, ob Gold darin ist...
In den alten Notizen wühlen und an fast vergessene Erlebnisse denken, so sieht mein Leben in diesem Tag aus. Dann denke ich an alte Freunde und versuche im Telefonbuch, sie ausfindig zu machen, bis Hunger oder Durst mich abschweifen lassen. Ich kaufe ein paar billige Dinge bei Aldi ein und dann trinke ich ein paar Biere.
Ich greife zum Telefon und dann fällt mir keine Nummer ein. Holger wollte ich nicht mehr anrufen seit er nur noch depressiv ist. Manfred treffe ich manchmal draußen, jedes Mal vollgeschwämmter von Psychopharmaka. Alle sind inzwischen depressiv, wenn sie nicht gestorben sind. In meinen Notizen finde ich Überschriften, aber die Ideen zu deren Romanen sagen mir heute nichts mehr.
Früher habe ich mir voller Sehnsucht und Hoffnung ausgemalt wie es wäre, Rentner zu sein. Nun bin ich, aber habe nichts. Vorher hatte ich auch nichts bis auf meine Ideen. Diese Ideen um zu setzen ist allerdings wohl eher nicht mein Talent. Mir fehlt es heute an Erlebnissen und an Bekannten und Freunden. Ich sitze in der Bude und hadere mit meinem Schicksal. Ich gehe auf und ab als würde ich eine Strafe „absitzen“.
Schuldig im Sinne der Anklage, denn ich warte auf den Tod und mache es mir so angenehm wie möglich. Wenn ich jetzt Selbstmord begehen würde, was würde das ändern? Vielleicht gibt es ja ein „Leben nach dem Tod“ und ich freute mich, dass ich es endlich getan habe... Andererseits könnte es sein, dass ich ein Leben nach dem Leben finde und jeden Gedanken an den Tod vergesse. So gesehen bin ich ein Goldgräber, der nur den Sand wäscht und nicht darauf achtet, ob Gold darin ist...
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Donnerstag, 22. Oktober 2015
Geblieben: Gestern 04
excaliburn, 19:52h
Das Telefon klingelt. Dann das Handy. Wenig später an der Tür. Und wildes Geklopfe, mehrere Männerstimmen. Ich erinnere mich plötzlich an einen Traum von letzter Nacht, da wurde meine Tür eingetreten und ein paar Sekunden später...
Erschrocken und nass geschwitzt fahre ich im Bett hoch. Ich habe alles nur geträumt. Erleichtert atme ich auf. Seit einer Woche war ich nicht mehr in der Kneipe. Aber ich hatte Angst vor diesen Träumen, meist werden sie Realität. Darum ging ich jahrelang zum Biertrinken, dann waren sie nicht da.
Ich hätte Profit aus den Träumen schlagen können, aber alle meinten, so etwas kann niemand und darum habe ich nie auf sie gehört. Wenn ich das getan hätte, wäre ich jetzt immerhin ein Mensch, der für seine schreibenden Fantasien bezahlt würde, wenn auch nur als drittklassiger Schriftsteller. Stattdessen sind meine Tagträume nie wahr geworden.
Traurig denke ich an meine Freundin. Ich liebte sie, aber ich hab es ihr nie gesagt und darum kamen wir auch nie zusammen. Sie war die Frau auf der anderen Seite und dann zog sie aus. Wenn ich ein berühmter Schriftsteller gewesen wäre, dachte ich damals, hätte ich sie vielleicht bekommen können. Also gut, ich bin ein erfolgloser Schriftsteller, der die meiste Zeit am Tag im Gestern begräbt. In den Träumen ist mein Vater öfter da gewesen als zu seinen Lebzeiten.
Ich setze mich an den Computer. Den habe ich vor 10 Jahren gekauft, um einen Roman zu schreiben. Dann Kurzgeschichten und danach Gedichte. Wahrscheinlich hatte mein Vater recht, dass ich mein Leben nur erträume. Er selbst hat es auch getan, aber er starb zu früh daran. Meine Mutter geht heute noch an sein Grab und weint. Sie weint an einer Geröllhalde und dann sagt sie solche Sachen, als wäre er nur wegen mir so früh gestorben. Er war ein Trinker und hat sie immer geschlagen. Daran hat sie sich auch damals nicht erinnert.
Erschrocken und nass geschwitzt fahre ich im Bett hoch. Ich habe alles nur geträumt. Erleichtert atme ich auf. Seit einer Woche war ich nicht mehr in der Kneipe. Aber ich hatte Angst vor diesen Träumen, meist werden sie Realität. Darum ging ich jahrelang zum Biertrinken, dann waren sie nicht da.
Ich hätte Profit aus den Träumen schlagen können, aber alle meinten, so etwas kann niemand und darum habe ich nie auf sie gehört. Wenn ich das getan hätte, wäre ich jetzt immerhin ein Mensch, der für seine schreibenden Fantasien bezahlt würde, wenn auch nur als drittklassiger Schriftsteller. Stattdessen sind meine Tagträume nie wahr geworden.
Traurig denke ich an meine Freundin. Ich liebte sie, aber ich hab es ihr nie gesagt und darum kamen wir auch nie zusammen. Sie war die Frau auf der anderen Seite und dann zog sie aus. Wenn ich ein berühmter Schriftsteller gewesen wäre, dachte ich damals, hätte ich sie vielleicht bekommen können. Also gut, ich bin ein erfolgloser Schriftsteller, der die meiste Zeit am Tag im Gestern begräbt. In den Träumen ist mein Vater öfter da gewesen als zu seinen Lebzeiten.
Ich setze mich an den Computer. Den habe ich vor 10 Jahren gekauft, um einen Roman zu schreiben. Dann Kurzgeschichten und danach Gedichte. Wahrscheinlich hatte mein Vater recht, dass ich mein Leben nur erträume. Er selbst hat es auch getan, aber er starb zu früh daran. Meine Mutter geht heute noch an sein Grab und weint. Sie weint an einer Geröllhalde und dann sagt sie solche Sachen, als wäre er nur wegen mir so früh gestorben. Er war ein Trinker und hat sie immer geschlagen. Daran hat sie sich auch damals nicht erinnert.
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Sonntag, 11. Oktober 2015
excaliburn, 18:50h
Geblieben: Gestern 03
Gerade wollte ich mir die Aufnahmen von gestern Abend anhören, da klingelte mein Telefon. Eine mir unbekannte Männerstimme sagte: „Es kann auch demnächst bei Ihnen brennen“. Zum Glück legte der Anrufer sofort auf und bemerkte darum meine Sprachlosigkeit nicht. Jetzt war ich mehr als bestürzt über das brennende Haus.
„Das Leben ist ein Film“, dieses Zitat fiel mir plötzlich ein. Ich hatte es schon oft verwendet, unbewusst deren Bedeutung. Ein ganz normaler Typ geht zur Polizei, aber ich fürchtete die Konsequenzen. In meinen „Groschenheft-Storys“ macht auch ein ganz normaler Typ das natürlich gerade nicht, sonst wäre es bestimmt nicht spannend. Natürlich steigerte das meine Neugier auf gestrige Aktivitäten.
Tatsächlich wurden meine wenigen Erinnerungen und Befürchtungen bestätigt, was den gestrigen Abend anging: Ein Mann suchte Jemanden, der bereit war, für 5000 Euro zu morden. Und ich nahm diesen Auftrag an. Draußen trafen wir uns dann und er gab mir das Geld. Warum ich? Hätte ich diese Frage gestern nicht stellen sollen? Mir war nicht klar, warum ich mich in diese Lage brachte. So etwas hört niemand auf einem Rekorder.
Gerade wollte ich mir die Aufnahmen von gestern Abend anhören, da klingelte mein Telefon. Eine mir unbekannte Männerstimme sagte: „Es kann auch demnächst bei Ihnen brennen“. Zum Glück legte der Anrufer sofort auf und bemerkte darum meine Sprachlosigkeit nicht. Jetzt war ich mehr als bestürzt über das brennende Haus.
„Das Leben ist ein Film“, dieses Zitat fiel mir plötzlich ein. Ich hatte es schon oft verwendet, unbewusst deren Bedeutung. Ein ganz normaler Typ geht zur Polizei, aber ich fürchtete die Konsequenzen. In meinen „Groschenheft-Storys“ macht auch ein ganz normaler Typ das natürlich gerade nicht, sonst wäre es bestimmt nicht spannend. Natürlich steigerte das meine Neugier auf gestrige Aktivitäten.
Tatsächlich wurden meine wenigen Erinnerungen und Befürchtungen bestätigt, was den gestrigen Abend anging: Ein Mann suchte Jemanden, der bereit war, für 5000 Euro zu morden. Und ich nahm diesen Auftrag an. Draußen trafen wir uns dann und er gab mir das Geld. Warum ich? Hätte ich diese Frage gestern nicht stellen sollen? Mir war nicht klar, warum ich mich in diese Lage brachte. So etwas hört niemand auf einem Rekorder.
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excaliburn, 18:22h
Geblieben: Gestern 02
Am Morgen erwachte ich durch intensiv laute Sirenen. Ich konnte sie nicht einordnen, aber sie waren ganz nah. Wer kann schon diese Töne unterscheiden, ob Polizei oder Feuerwehr, ich konnte es nicht. Und an meinen angenehmen Traum konnte ich mich plötzlich auch nicht mehr erinnern.
Beim Kaffeekochen fiel mir plötzlich dieser Nebel im Innenhof auf. Es war Rauch, der vom gegenüberliegenden Dach in alle Winde gebracht wurde. Ich sah, wie viele Nachbarn fasziniert auf diesen Brand starrten. Als ich den ersten Schluck Kaffee trank, sah ich, wie ein Mann aus dem Obergeschoss aus seinem Fenster sprang. Aber nicht etwa auf ein Sprungtuch.
Dann drangen die ersten Flammen wenig später aus einigen Wohnungen im Obergeschoss. Einige Nachbarn standen nun auf dem Balkon und fotografierten, während andere gerade dabei waren, Wäsche auf zu hängen und inne zu halten. Polizei und ein Rettungswagen hatten sich unten auch eingefunden. Leute liefen hektisch wie wahllos durcheinander; Vögel flogen auf andere Dächer und zeitweise verdunkelte der Rauch die Sonne.
Ich hätte noch eine Action-Cam, aber da sah ich, wie einige mit ihren Handys fleißig Aufnahmen machten. Plötzlich dachte ich an gestern und mir kam es vor, als hätte ich auch eine Dummheit gemacht. Die 5000 Euro in meiner Brieftasche bestätigten das. Dunkel erinnerte ich mich, aber ich wollte es nicht wahr haben. Früher, bevor ich den Rekorder überall mit hin nahm, hätte ich es einfach ab tun können. Der nächste Schluck Kaffee schmeckte bitter. Ich könnte ja einfach so tun, als hätte ich alles vergessen...
Am Morgen erwachte ich durch intensiv laute Sirenen. Ich konnte sie nicht einordnen, aber sie waren ganz nah. Wer kann schon diese Töne unterscheiden, ob Polizei oder Feuerwehr, ich konnte es nicht. Und an meinen angenehmen Traum konnte ich mich plötzlich auch nicht mehr erinnern.
Beim Kaffeekochen fiel mir plötzlich dieser Nebel im Innenhof auf. Es war Rauch, der vom gegenüberliegenden Dach in alle Winde gebracht wurde. Ich sah, wie viele Nachbarn fasziniert auf diesen Brand starrten. Als ich den ersten Schluck Kaffee trank, sah ich, wie ein Mann aus dem Obergeschoss aus seinem Fenster sprang. Aber nicht etwa auf ein Sprungtuch.
Dann drangen die ersten Flammen wenig später aus einigen Wohnungen im Obergeschoss. Einige Nachbarn standen nun auf dem Balkon und fotografierten, während andere gerade dabei waren, Wäsche auf zu hängen und inne zu halten. Polizei und ein Rettungswagen hatten sich unten auch eingefunden. Leute liefen hektisch wie wahllos durcheinander; Vögel flogen auf andere Dächer und zeitweise verdunkelte der Rauch die Sonne.
Ich hätte noch eine Action-Cam, aber da sah ich, wie einige mit ihren Handys fleißig Aufnahmen machten. Plötzlich dachte ich an gestern und mir kam es vor, als hätte ich auch eine Dummheit gemacht. Die 5000 Euro in meiner Brieftasche bestätigten das. Dunkel erinnerte ich mich, aber ich wollte es nicht wahr haben. Früher, bevor ich den Rekorder überall mit hin nahm, hätte ich es einfach ab tun können. Der nächste Schluck Kaffee schmeckte bitter. Ich könnte ja einfach so tun, als hätte ich alles vergessen...
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Geblieben: Gestern
excaliburn, 17:51h
Leider bin ich kein Mann für alle Fälle und Probleme jeglicher Art gefallen mir nicht. Anatomisch Mann, aber auch keine Frau und meist auch kein Mensch, denke ich mir mein neues Morgen und versäumte die Gegenwart.
Weil das Gestern blieb, schreibe ich es um, damit zumindest ein Hauch der Zukunft bleibt, wie sie war – Nirwana: Nie wahr. Niemand geht in die Kneipe um der Wahrheit willen. Alle trinken in Gesellschaft von Leuten, denen er zu Hause nie begegnen will, auch nicht im Fernsehen.
Und da sind auch noch die Helden auf DVD, die mir allerletzte Fantasien rauben, wie ich hätte sein wollen. Oder wie es wohl wäre, ein Imperium zu besitzen oder nur ein kleiner Gangster darin zu sein. Unmoralisch, im Kinofilm kommt das gut für die Spannung an, im wahren Leben hätte ich gerne all die Attribute ohne jegliche negative Wirkungen.
Bei meinem nächsten Kneipenbesuch nahm ich einen kleinen Rekorder mit. Ich wollte mir dadurch Ideen aufzeichnen, weil ich am nächsten Tag leider das meiste wieder vergessen hatte. Und dann nahm ich diesen Rekorder immer mit, wenn ich nach draußen ging. Abends hörte ich all diese Aufnahmen an, bevor ich wieder in die Kneipe ging. Leider bemerkte ich, dass mich das Aufnahmegerät veränderte, ich dachte ständig daran und verhielt mich anders.
Weil das Gestern blieb, schreibe ich es um, damit zumindest ein Hauch der Zukunft bleibt, wie sie war – Nirwana: Nie wahr. Niemand geht in die Kneipe um der Wahrheit willen. Alle trinken in Gesellschaft von Leuten, denen er zu Hause nie begegnen will, auch nicht im Fernsehen.
Und da sind auch noch die Helden auf DVD, die mir allerletzte Fantasien rauben, wie ich hätte sein wollen. Oder wie es wohl wäre, ein Imperium zu besitzen oder nur ein kleiner Gangster darin zu sein. Unmoralisch, im Kinofilm kommt das gut für die Spannung an, im wahren Leben hätte ich gerne all die Attribute ohne jegliche negative Wirkungen.
Bei meinem nächsten Kneipenbesuch nahm ich einen kleinen Rekorder mit. Ich wollte mir dadurch Ideen aufzeichnen, weil ich am nächsten Tag leider das meiste wieder vergessen hatte. Und dann nahm ich diesen Rekorder immer mit, wenn ich nach draußen ging. Abends hörte ich all diese Aufnahmen an, bevor ich wieder in die Kneipe ging. Leider bemerkte ich, dass mich das Aufnahmegerät veränderte, ich dachte ständig daran und verhielt mich anders.
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