Sonntag, 11. Oktober 2015
Geblieben: Gestern 03

Gerade wollte ich mir die Aufnahmen von gestern Abend anhören, da klingelte mein Telefon. Eine mir unbekannte Männerstimme sagte: „Es kann auch demnächst bei Ihnen brennen“. Zum Glück legte der Anrufer sofort auf und bemerkte darum meine Sprachlosigkeit nicht. Jetzt war ich mehr als bestürzt über das brennende Haus.

„Das Leben ist ein Film“, dieses Zitat fiel mir plötzlich ein. Ich hatte es schon oft verwendet, unbewusst deren Bedeutung. Ein ganz normaler Typ geht zur Polizei, aber ich fürchtete die Konsequenzen. In meinen „Groschenheft-Storys“ macht auch ein ganz normaler Typ das natürlich gerade nicht, sonst wäre es bestimmt nicht spannend. Natürlich steigerte das meine Neugier auf gestrige Aktivitäten.

Tatsächlich wurden meine wenigen Erinnerungen und Befürchtungen bestätigt, was den gestrigen Abend anging: Ein Mann suchte Jemanden, der bereit war, für 5000 Euro zu morden. Und ich nahm diesen Auftrag an. Draußen trafen wir uns dann und er gab mir das Geld. Warum ich? Hätte ich diese Frage gestern nicht stellen sollen? Mir war nicht klar, warum ich mich in diese Lage brachte. So etwas hört niemand auf einem Rekorder.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Geblieben: Gestern 02

Am Morgen erwachte ich durch intensiv laute Sirenen. Ich konnte sie nicht einordnen, aber sie waren ganz nah. Wer kann schon diese Töne unterscheiden, ob Polizei oder Feuerwehr, ich konnte es nicht. Und an meinen angenehmen Traum konnte ich mich plötzlich auch nicht mehr erinnern.

Beim Kaffeekochen fiel mir plötzlich dieser Nebel im Innenhof auf. Es war Rauch, der vom gegenüberliegenden Dach in alle Winde gebracht wurde. Ich sah, wie viele Nachbarn fasziniert auf diesen Brand starrten. Als ich den ersten Schluck Kaffee trank, sah ich, wie ein Mann aus dem Obergeschoss aus seinem Fenster sprang. Aber nicht etwa auf ein Sprungtuch.

Dann drangen die ersten Flammen wenig später aus einigen Wohnungen im Obergeschoss. Einige Nachbarn standen nun auf dem Balkon und fotografierten, während andere gerade dabei waren, Wäsche auf zu hängen und inne zu halten. Polizei und ein Rettungswagen hatten sich unten auch eingefunden. Leute liefen hektisch wie wahllos durcheinander; Vögel flogen auf andere Dächer und zeitweise verdunkelte der Rauch die Sonne.

Ich hätte noch eine Action-Cam, aber da sah ich, wie einige mit ihren Handys fleißig Aufnahmen machten. Plötzlich dachte ich an gestern und mir kam es vor, als hätte ich auch eine Dummheit gemacht. Die 5000 Euro in meiner Brieftasche bestätigten das. Dunkel erinnerte ich mich, aber ich wollte es nicht wahr haben. Früher, bevor ich den Rekorder überall mit hin nahm, hätte ich es einfach ab tun können. Der nächste Schluck Kaffee schmeckte bitter. Ich könnte ja einfach so tun, als hätte ich alles vergessen...

... link (0 Kommentare)   ... comment


Geblieben: Gestern
Leider bin ich kein Mann für alle Fälle und Probleme jeglicher Art gefallen mir nicht. Anatomisch Mann, aber auch keine Frau und meist auch kein Mensch, denke ich mir mein neues Morgen und versäumte die Gegenwart.

Weil das Gestern blieb, schreibe ich es um, damit zumindest ein Hauch der Zukunft bleibt, wie sie war – Nirwana: Nie wahr. Niemand geht in die Kneipe um der Wahrheit willen. Alle trinken in Gesellschaft von Leuten, denen er zu Hause nie begegnen will, auch nicht im Fernsehen.

Und da sind auch noch die Helden auf DVD, die mir allerletzte Fantasien rauben, wie ich hätte sein wollen. Oder wie es wohl wäre, ein Imperium zu besitzen oder nur ein kleiner Gangster darin zu sein. Unmoralisch, im Kinofilm kommt das gut für die Spannung an, im wahren Leben hätte ich gerne all die Attribute ohne jegliche negative Wirkungen.

Bei meinem nächsten Kneipenbesuch nahm ich einen kleinen Rekorder mit. Ich wollte mir dadurch Ideen aufzeichnen, weil ich am nächsten Tag leider das meiste wieder vergessen hatte. Und dann nahm ich diesen Rekorder immer mit, wenn ich nach draußen ging. Abends hörte ich all diese Aufnahmen an, bevor ich wieder in die Kneipe ging. Leider bemerkte ich, dass mich das Aufnahmegerät veränderte, ich dachte ständig daran und verhielt mich anders.

... link (0 Kommentare)   ... comment