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Donnerstag, 22. Oktober 2015
Geblieben: Gestern 04
Das Telefon klingelt. Dann das Handy. Wenig später an der Tür. Und wildes Geklopfe, mehrere Männerstimmen. Ich erinnere mich plötzlich an einen Traum von letzter Nacht, da wurde meine Tür eingetreten und ein paar Sekunden später...

Erschrocken und nass geschwitzt fahre ich im Bett hoch. Ich habe alles nur geträumt. Erleichtert atme ich auf. Seit einer Woche war ich nicht mehr in der Kneipe. Aber ich hatte Angst vor diesen Träumen, meist werden sie Realität. Darum ging ich jahrelang zum Biertrinken, dann waren sie nicht da.

Ich hätte Profit aus den Träumen schlagen können, aber alle meinten, so etwas kann niemand und darum habe ich nie auf sie gehört. Wenn ich das getan hätte, wäre ich jetzt immerhin ein Mensch, der für seine schreibenden Fantasien bezahlt würde, wenn auch nur als drittklassiger Schriftsteller. Stattdessen sind meine Tagträume nie wahr geworden.

Traurig denke ich an meine Freundin. Ich liebte sie, aber ich hab es ihr nie gesagt und darum kamen wir auch nie zusammen. Sie war die Frau auf der anderen Seite und dann zog sie aus. Wenn ich ein berühmter Schriftsteller gewesen wäre, dachte ich damals, hätte ich sie vielleicht bekommen können. Also gut, ich bin ein erfolgloser Schriftsteller, der die meiste Zeit am Tag im Gestern begräbt. In den Träumen ist mein Vater öfter da gewesen als zu seinen Lebzeiten.

Ich setze mich an den Computer. Den habe ich vor 10 Jahren gekauft, um einen Roman zu schreiben. Dann Kurzgeschichten und danach Gedichte. Wahrscheinlich hatte mein Vater recht, dass ich mein Leben nur erträume. Er selbst hat es auch getan, aber er starb zu früh daran. Meine Mutter geht heute noch an sein Grab und weint. Sie weint an einer Geröllhalde und dann sagt sie solche Sachen, als wäre er nur wegen mir so früh gestorben. Er war ein Trinker und hat sie immer geschlagen. Daran hat sie sich auch damals nicht erinnert.

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